Projektaufruf

Untersuchungen des Potentials geeigneter Polymerverschnittkomponenten auf ‎die thermisch oxidative Alterungsstabilität von Polydienen‎

Einleitung und Problemstellung:

Elastomerwerkstoffe sind zur Herstellung dynamisch hoch beanspruchter, temperatur- und ‎medienbeständiger Bauteile unabdingbar. Die Lebensdauer von Elastomerbauteilen hängt ‎neben ihrer konstruktiven Auslegung und den bei der Nutzung einwirkenden Lastkollektive ‎und Expositionsbedingungen in hohem Maß von der Materialhomogenität ab. Diese wird ‎durch die Auswahl der Rohstoffe, durch Herstellungsprozesse und durch expositionsbedingte ‎irreversible Materialveränderungen (Alterung) bestimmt. Eine Besonderheit ist der Einsatz von ‎Polymerblends, welche in der Technik häufig genutzt wird, um die positiven Eigenschaften ‎der beteiligten Kautschuktypen möglichst synergistisch zur Eigenschaftsoptimierung zu ‎nutzen. Irreversible funktionslimitierende Materialveränderungen, wie sie z. B. durch die ‎thermisch-oxidative Alterung hervorgerufen werden, hängen einerseits von der Mikrostruktur ‎des Kautschuks (Doppelbindungen, Verzweigungen der Polymerkette, Substituenten bzw. ‎Seitengruppen) und andererseits in der Praxis auch von Mischungsbestandteilen wie ‎insbesondere Alterungsschutzmittel ab, welche z. B. im Fall einiger p-Phenylendiamine (z. B. ‎‎6PPD, IPPD) auch kombinatorische Wirkungen gegen Sauerstoff und Ozon besitzen. ‎Insbesondere 6PPD steht allerdings zur Zeit unter ökologischen und toxikologischen Aspekten ‎in der Diskussion. Neben der Verwendung niedermolekularer Alterungsschutzmittels besteht ‎prinzipiell eine weitere Möglichkeit zur Stabilisierung von Elastomeren in der Zugabe eines ‎Polymeren mit höherer oxidativer Stabilität, z.B. mit gesättigter oder entsprechend ‎substituierter Hauptkette. So besteht ein hohes Interesse an umfassenden Kenntnissen über ‎das Alterungsverhalten von Polymerblends. Das ‎Blendverhältnis, die Mischbarkeit und auch die ‎Phasenmorphologie sind für die ‎Alterungseigenschaften entscheidende Parameter, ‎die einen Beitrag zur Reduzierung des Anteils von ‎Alterungsschutzmitteln leisten können. Da die ‎Blendzusammensetzung im Detail auch für den ‎lokalen Sauerstoffverbrauch und die räumliche ‎Verteilung von oxidierten oder thermisch-oxidativ ‎nachvernetzten Bereichen im Material verantwortlich ‎ist, sind entsprechende Auswirkungen unmittelbar ‎auf die Lebensdauer unter dynamischer Belastung ‎auswirkten. Letztlich bestimmt das schwächste Glied ‎im Gesamtverbund die Summe der Eigenschaften.


Ziel:‎

Ziel des Projektes ist es daher ein umfassendes Verständnis für die thermisch oxidative ‎Alterungsstabilität von praxisorientierten Elastomerblends in Abhängigkeit der eingesetzten ‎Kautschuktypen, deren Konzentrationsverhältnisse und der Phasenmorphologie zu erhalten. Weiterhin soll das Potential der Stabilisierung von Elastomeren durch den Einsatz ‎entsprechender Polymere als Verschnittkomponente untersucht werden, um Wege zur ‎Einsparung bzw. Vermeidung von niedermolekularen und damit migrierenden ‎Alterungsschutzmitteln zu eröffnen. Hierzu ist insgesamt die umfassende Ermittlung der ‎Kinetik und der lokalen Alterungseffekte einzelner Domänen in Kombination mit den ‎Auswirkungen auf das mechanischen und insbesondere das dynamisch-mechanische ‎Verhalten notwendig. Nicht zu vernachlässigen ist hier auch eine ausreichende Co-‎Vernetzung des in der Regel mehrphasigen Blends. Insgesamt lassen sich diese Erkenntnisse ‎unmittelbar ausnutzen, um die Funktionssicherheit von auf ungesättigten Kautschuken bzw. ‎auf Blendsystemen basierenden Elastomere unter ausgewählten Einsatzbedingungen ohne ‎ökologische oder toxikologische Risiken zu verbessern. ‎

Lösungsweg:‎

Es sollen gezielt Blends auf Basis von Polydienen (z. B. NR, SBR, IR) mit ‎Polymerverschnittkomponenten unterschiedlicher oxidativer Stabilität (Konz. von C=C-‎Doppelbindungen, stabilisierende Substituenten an der Hauptkette) hergestellt werden. ‎Phasenmorphologie und Konzentrationsverhältnisse werden unter Beachtung der ‎Löslichkeiten und des Mischprozesses in Kombination mit der Vulkanisation bzw. Co-‎Vulkanisation eingestellt (Charakterisierungsmethoden z. B.: TEM; DSC, mechan. dyn. ‎Analyse). Neben der Charakterisierung der Alterungseigenschaften des Gesamtsystems ‎durch chemische Analysen (z. B. Chemielumineszenz, FT-IR Spektroskopie, DSC) und der ‎Untersuchung der alterungsabhängigen Änderung des physikalischen Eigenschaftsbildes ‎werden vor allem thermisch-oxidativ ausgelöste lokale Alterungsvorgänge durch z. B. FT-IR-‎Mikroskopie, Mikroindentation, „Atomic Force Microscopy“ (AFM), DSC und mechanisch-‎dynamischer Analyse charakterisiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der ‎Ermittlung des lokalen Alterungsfortschritts von der Oberfläche in das Innere des Materials ‎‎(DLO-Effekt), da der Gradient u. a. ein entscheidender Parameter für eine Rissentstehung ‎unter Verformung ist. Weiterhin sind die Reaktionskinetiken als (f(t), f(T)) grundlegend für ‎Langzeitabschätzungen und ggf. eine Simulation. ‎

Wirtschaftlicher Nutzen:‎

Der wirtschaftliche Nutzen des Projekts liegt insbesondere in Einsparungen an Additiven ‎‎(Alterungsschutzmittel) und in einer Optimierung der Qualität von Elastomeren, was ‎wiederum Reklamationen und Einsparungen der damit verbundenen Kosten bedeutet. Ist eine ‎gleiche oder verbesserter Alterungsbeständigkeit eines Elastomerproduktes mit geringerem ‎Anteil an Alterungsschutzmittel durch die Optimierung des Blends erreicht, wird auch ‎hinsichtlich einer potentiellen Regulierung des Einsatzes von z. B. p-Phenylendiaminen ein ‎positiver Beitrag zu erwarten sein.‎

Organisation:‎
•    Förderung durch Industriepartner (Konsortium)‎
•    Laufzeit von 2,5 Jahre geplant. ‎
•    Kosten pro Jahr: Gesamt 95.000 EUR bzw. max. 20.000 EUR zzgl. Mwst. pro ‎Teilnehmer und Jahr

 

Bei Interesse und zur Planung eines informativen Treffens zur Diskussion von weiteren ‎Details bitte Rückmeldung bis zum 7.6.2021 an: ‎

Deutsches Inst. für Kautschuktechnologie DIK e. V.‎
Prof. Dr. U. Giese, ‎
Eupener Straße 33‎
‎30 519 Hannover‎
Email: ulrich.giese@DIKautschuk.de    

Deutsche Kautschukgesellschaft (DKG) e. V.‎
Frau Dr. Veronika Beer
Zeppelinallee 69‎
‎60487 Frankfurt a. Main‎
Email: v.beer@dkg-rubber.de

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Ulrich Giese

Telefon: +49 511 84201-10

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